Lange habe ich darauf gewartet: heute geht es um den Film & Fernsehen Workshop. Der Klasse, wegen welcher ich mich hier an der Kunsthochschule Kassel eigentlich beworben hatte. Für wen diese Klasse das Richtige sein könnte und warum sie es für mich nicht ist, beantworte ich jetzt.

Was ist also geschehen? Warum werde ich nicht in die Klasse "Film & Fernsehen" gehen, obwohl sie genau in die Richtung geht, in die ich schon immer gehen wollte: Narrative Filmproduktionen für Kino und Fernsehen (Bei mir klar Kino)? Fangen wir von vorne an: Unsere Aufgabe war es, einen Film darüber zu machen, wie die Thesen Marshall McLuhans (den hab ich euch HIER schonmal vorgestellt), dem "Propheten" der Medienwissenschaft, in unserer Neuzeit zur Geltung kommen. Lange haben wir (Áron, Nik, Massimo und Ich) auf diesen Workshop gewartet. Die Lust war immens, zu viert einen richtig guten Kurzfilm zu machen und dieser Workshop die vermeintlich perfekte Gelegenheit dazu.

Genau hier aber liegt die Crux - Wir haben die Aufgabe in der Gruppe bearbeitet. Das sollten wir aber nicht. Es sollte von jedem Einzeln bearbeitet werden. Unser Fehler? Ja, auf jeden Fall. Gänzlich uns geschuldet? Kann man so sehen, muss man aber nicht. Unsere bisherigen Erfahrungen in der Kunsthochschule haben uns gezeigt, dass Aufgabenstellungen interpretiert werden sollen. Ihre Arbeitsweise lebt von ihrer Freiheit in konzeptueller, wie auch in ausführender Hinsicht. Deswegen nahmen wir uns die Freiheit, in der Gruppe zu arbeiten, weil es in unserem Empfinden, das beste Ergebnis versprach für das filmische Endprodukt. Man hat uns dahingehend bewusst geprägt. Eine Ausnahme tatsächlich ist die Film & Fernsehen Klasse und das ist nicht wertend gemeint.

Wo wir auch auf den Punkt kommen, warum diese Klasse nichts für mich ist, ich mir aber gut vorstellen kann, warum sie für andere Persönlichkeiten genau das richtige sein kann: Es sind die klaren Aufgabenstrukturen und die deutlich erkennbaren Hierarchien, in die man sich hier hineinbegibt. Hier wird man an der Hand geführt hinsichtlich der einzelnen Tätigkeitsfelder im Film (Hier übernimmt jeder Student einmal jede Aufgabe im Film des Anderen, will heißen, irgendwann im Laufe meiner studentischen Laufbahn bin ich hier einmal Tonmann, Setrunner, Regie-Assi usw.), aber auch hinsichtlich des Verständnisses des Films. Das kann auf jeden Fall sehr hilfreich für Studenten/-innen sein, die sich in klaren Strukturen des Lernens gut zurechtfinden.

Für mich sind diese Strukturen nicht das optimale Arbeitsumfeld, denn tatsächlich habe ich gelernt, dass es essentiell nötig ist für meine Arbeit, mich nicht in feste, vorgefertigte Arbeitsbahnen zu begeben. Man sollte sie nicht aus den Augen verlieren, aber immer bereit sein diese Bahnen zu verlassen, wenn man der Überzeugung ist, dass es das Beste ist für das Kunstwerk. Ich lerne also, wenn man so will, in amplitudischen Bahnen. Das haben wir zu viert in diesem Workshop getan und einfach zu hoch gepokert. Nach 3 Tagen intensivster Arbeit und Nachtschichten, haben wir es gerade so noch rechtzeitig geschafft den Film fertigzustellen. Ergebnis ist: Wir haben offiziell nicht an diesem Workshop teilgenommen. Es sollten Einzelarbeiten produziert werden, keine Ausnahme. Es hat im Endeffekt einfach weh getan, dass diese Arbeit  einfach nicht gewertet wurde und wir offiziell an diesem Workshop nicht teilgenommen haben. Dennoch ist mir wichtig zu sagen: Kein böses Blut. Es gibt viele Gründe, warum ich in Zukunft mit Leuten aus der Klasse zusammenarbeiten wollen würde und es lässt sich auch nicht von der Hand weisen, dass diese eigene Art von Lehrkonstrukt sehr produktiv ist und viele Filme zu Tage fördert.

Nochmal zusammengefasst
Für wen ist diese Klasse das Richtige? Für diejenigen, die sich gerne in klaren Lernstrukturen bewegen.
Was musst du dafür in Kauf nehmen? Eine gewisse Isolation von den anderen Klassen der visuellen Kommunikation.
Durch den grundlegend anderen Lernstil, hat sich die Film & Fernsehen Klasse vom Rest der Kunsthochschule isoliert.
Das schließt aber dennoch nicht grundsätzlich die Zusammenarbeit mit Klassen aus.
Entscheide, ob du in diesem Umfeld kreativ aufgehst, oder, ob du die liberalen Strukturen der anderen Klassen benötigst, um kreativ wirken zu können.


Unser Film - VIDEOSTORE

Genug der Ausführungen, es geht zu unserem Film mit dem Titel "VIDEOSTORE". Aufgabe war es, einen Film zu machen, indem thematisiert wird, wie sich die Thesen Marshal McLuhans in unserer Gegenwart zeigen, bzw. zur Geltung kommen. Eine davon war, dass durch den elektronischen Schaltkreis (damals gab es keine PC´s, dennoch lässt es sich wunderbar auf unsere heutigen Computer übertragen), die Privatsphäre des Einzelnen minimiert wird und Regierung, Industrie und Mitmenschen immer weiter in unsere intimsten Sphären eindringen.

Bei zu vielen Zigaretten und Easy-Listening Musik in Dauerschleife haben wir ewig gegrübelt und an der Story gefeilt, bis wir den Grundpfeiler konstruiert hatten: Denkt mal an die "Für dich empfohlen" Leiste beim Amazon durchstöbern und daran, wie oft diese treffsicher die eigenen Intressen im Voraus erkennt. Wir haben uns daran gewöhnt. Aber stellt euch vor, ihr trefft auf einen Kundenberater in einem Laden in persona, der genau diese Fähigkeit besitzt. Eine sehr unangenehme Situation. Unser Film handelt von genau so einem Zusammentreffen. Wie so ein Kundenberater aussieht in unserer Vorstellung, seht ihr hier im verlinkten Film.

Massimo ist der Betreiber einer Videothek, diesen fast vergessenen Relikten, die die meisten heute nurnoch aus Neugier betreten, um zu sehen, wie sich solche Läden eigentlich noch halten können. Nik ist unser Kunde, der für einen Filmeabend mit seiner Freundin, einen Film ausleihen möchte, aber absolut unentschlossen ist, da die Auswahl schlicht zu groß und erschlagend ist. Massimo bemerkt Niks Unentschlossenheit und gibt ihm Ratschläge mit Informationsgehalt, welche sich langsam, aber sicher immermehr von dem entfernen, was er eigentlich wissen könnte. Ach, und dann ist da ja noch der Freak (gespielt von Àron), der kein Wort rauskriegt und immer auf diese verdammte Uhr starrt... Was ist hier los?

Drei Tage von Storyentwicklung, Locationscouting, Genehmigung einholen, drehen, schneiden, Post-Produktion und ausrendern: Wir stehen voll und ganz hinter dem Projekt und freuen uns, dass wir uns gegen die Aufgabenstellung im wörtlichen Sinne entschieden haben, denn sonst wäre dieser Film so nie entstanden. An dieser Stelle auch nochmal unseren größten Dank an den Moviestore Vellmar, in der Triftstraße 88. Dem netten Besitzer ist übrigens das Ende in seiner jetzigen Form zu verdanken. Ein echter Filmfan und Kenner!

Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen und seid beim nächsten Rückblick wieder dabei, wenn ich euch unseren Basisklassen-Trickfilm vorstelle!

Hier geht es zum vorigen Artikel: Das erste Semester Kunsthochschule Kassel - Teil 4 | Super 8 Vampirfilm

LG
Harry Besel @ HxB - Bewegtbild Produktion

 

 

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