Ich habe mich an meine erste Hochzeitsfilmproduktion gewagt! Lea & Chris haben dieses Jahr geheiratet und ich durfte die verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen, diesen besonderen Tag filmisch festzuhalten. Was ich erlebt und gelernt habe, erfahrt ihr hier!

Ich habe mich an meinen ersten Hochzeitsfilm gewagt und vorweg: Es war auf Anhieb eine tolle Erfahrung. Durch meine Freundin Kim von KIAMISU ist der Kontakt zu Lea und Chris entstanden. Beide haben sich eigentlich bei Kim gemeldet, um sie für Hochzeitsfotos zu engagieren. Da sie aber ebenfalls auf der Suche nach einem Hochzeitsfilmer waren, haben sie Kim gefragt, ob sie jemanden kennen würde. Tada, natürlich kennt sie jemanden. Mich. So bin ich an meinen ersten Hochzeitsfilm gekommen.

Die Vorbereitungen | Die ersten Gedanken

Nach den ersten Freuden setze bald wieder die Vernunft ein. Schnell wurde mir bewusst, dass ich mich für diesen Auftrag besonders gut vorbereiten muss. Mir wurde klar, wieviel Verantwortung ich da gerade übernommen hatte: Für das Brautpaar würde dies der wichtigste Tag überhaupt werden und ich war dafür verantwortlich, dass er auch entsprechend festgehalten wird.
Ich studierte zahlreiche Hochzeitsvideos auf Vimeo und YouTube, um mich von der Machart inspirieren zu lassen und genau zu analysieren, worauf die Profis achten. Die erste interessante Beobachtung: Fixiere dich nicht fortwährend auf das Brautpaar. Halte alles fest, was um dich herum geschieht, auch wenn es dir redundant und unwichtig erscheint.

 

Denn das ist genau das Material, dass dir 1) in der Montage hilft schwierige Passagen zu überblenden, oder zu verbinden und 2) einmalige Möglichkeiten geben könnte den Film besonders und individuell zu gestalten. Wie? Zum Beispiel durch eine spontane Gesangseinlage eines Gastes, welche du nutzen kannst, um einen kreativen Übergang zu schaffen, oder eine ganze Sequenz musikalisch zu untermalen, ohne auf die typische und allseits bekannten Hits aus dem Radio zugreifen zu müssen. Die besten Hochzeitsvideos leben von ihrer Spontanität.

Aber nicht nur für die Montage ist es wichtig viel spontanes Material aufgenommen zu haben. Überlegen wir doch mal, warum so ein Hochzeitsfilm eigentlich so interesannt ist für das Brautpaar. Ist es die Tatsache, sich nochmal von außen betrachten zu können? Oder ist es nicht eher die Tatsache, sich das Anschauen zu können, was man nicht gesehen hat, weil man zum Beispiel mit dem Programm beschäftigt, oder an sich gestresst war? Hier wird es doch erst interessant: Wenn das Brautpaar auf der Feier mit einem selbstgemachten Video von ihren engsten Freunden überrascht wird, dann filme ich als Hochzeitsvideograph eben nicht wie das Video läuft, sondern deute es nur an, damit man es im fertigen Film zeitlich einordnen kann. Was tue ich stattdessen?

Ich lege meinen Fokus auf die Reaktionen des Paares, der Gäste und auf die kleinen, aber ausdrucksstarken Handlungen, die versteckt und nebensächlich zu beobachten sind. Das sind dann Momente, die beim Anschauen des fertigen Hochzeitsfilms überraschen und rühren, weil sie nicht gesehen wurden und authentisch sind. Wenn der beste Freund auf einmal eine Träne zurückhalten muss, die Tante vor Rührung schluchzt, oder der Vater nicht auf das Programm achtet, sondern sichtlich stolz auf das Brautpaar blickt; das ist Stoff für ein emotionales Video. Denn dann zeigt man viel mehr als bloße Handlungen, an die ein jeder sich ohnehin erinnern kann.

Vorbereitung | Technik

Genauso wichtig ist es, dass man mit der richtigen Ausrüstung erscheint. Die tollsten Gedanken sind für die Katz, wenn man z.B. nichts hat, um das Dunkel zu erhellen. Was ich aus dem Spielfilm kenne, hat hier keine Bedeutung. Ich kann die Kirche, oder die Festhalle nicht mit Arri Strahlern und Dedo Lichtern nach meinem Geschmack ausleuchten. Ich kann ebenfalls nicht nach jedem Take meine Arme ausruhen. Auf einer Hochzeit passiert alles gleichzeitig und ohne Verschnaufpause. Eine Steadicamweste, ein starkes Aufstecklicht und ein brauchbares Richtrohrmikrofon müssen her.

Die Steadicamweste hat mir erlaubt die Kamera für knapp 10 Stunden zu bedienen, ohne das mir die Unterarme vor Schmerzen abgefallen sind. Dazu ein Kamerasetup, mit sehr offenblendigem Setup, um auch im Dunkeln gut filmen zu können. Hier bin ich bereits gut ausgestattet mit einer Panasonic GH4, Metabones Speedbooster und einem Sigma 18-35mm f1.8. Dazu noch ein 50mm f1.4 und ein 90mm f2.8 Objektiv. Auf die GH4 habe ich per V-Mount das beliebte Rode Videomic Pro geschraubt (Danke an Bob dafür) und ein LED-Aufstecklicht, das in der Helligkeit regelbar ist. Somit konnte mir selbst fortgeschrittene Dunkelheit (Na, wer kennts? :D) die Aufnahmen nicht versauen.

Der Tag der Hochzeit | Und Action

Am Tag vorher, habe ich nochmal alles getestet und feinsäuberlich in die entsprechenden Taschen sortiert und meine Inventarliste abgehakt. So gings am Tag darauf direkt zur Kirche, wo meine Freundin bereits auf mich wartete (sie war die Hochzeitsfotografin). Ab hieran ist meine Aufregung schnell verflogen. Die Gäste waren sehr nett, zum Teil auch neugierig (so eine Steadicamweste hat was von einem militärischem Exoskelett, yeeahh). Das Brautpaar stand immer für Fragen zur Verfügung. An dieser Stelle nochmal: Chris & Lea, ihr ward klasse!

Solange man selber eine gewisse Ruhe austrahlt und vor allem immer das Bild bewahrt, man hätte alles immer unter Kontrolle (das hatte ich manchmal nicht, als mir außerplanmäßig der Akku ausgefallen ist z.B.), dann geht das auch auf das gestresste Brautpaar über. Die Kunden düfen nie auch nur den Verdacht hegen, dass etwas nicht stimmen könnte, oder Probleme macht. Der schnelle Akkuwechsel hat sich ohnehin nicht bemerkbar gemacht im Film (der Montage sei dank!), also warum die Gäste und die Kunden stressen?

Immer offen sein und Kontakt zu den Gästen halten, so kommt man auch zu natürlicheren Aufnahmen, wenn die Akteure nicht ständig in die Kamera schauen, als würde man gerade mit der Pistole auf sie zielen. Der Hochzeitsfilmer/fotograf bringt die Attribute kontaktfreudig und angenehm mit sich.

 

 

Das war es dann auch soweit meinerseits. Abschließend lässt sich sagen, dass ich froh bin, mich an diesen Auftrag gewagt zu haben. Ich habe viel gelernt und hoffe ich konnte dem einen, oder anderen ein bisschen Inspiration für seinen ersten Auftrag geben. Bis zum nächsten Mal!

Der letzte Beitrag: Vergraben in Arbeit, aber wieder da! | Der Stand der Dinge

Liebe Grüße,

euer Harry

 

Kommentare  

#2 Arthur 2016-11-30 01:12
Boaah Geil gemacht, wenn ich mal heiraten sollte, musst du es auf Bild und Video festhalten.
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#1 Kim 2016-11-29 19:51
Ein super Einstand mit tollem Ergebnis :) :-)
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