Im Oktober des Jahres 2015 begann mein Studium der "Visuellen Kommunikation" an der Kunsthochschule Kassel. Im Vorfeld ist es erstmal wichtig zu verstehen, wie das Studium aufgebaut ist, um dann zu verstehen, was hier eigentlich vor sich geht.

 

Eine grobe Einführung in das Studium

Zu aller erst muss man sich auf 10 Semester Regelstudienzeit einstellen, wovon die ersten zwei Semester nochmal etwas besonderes sind: Das ist die Zeit der Basisklasse. Hier herrscht Schulklassenatmosphäre, denn in diesen zwei Semstern werden alle Erstsemester in einen Topf geworfen und jeder muss in jede Klasse reinschnuppern, in Fom von Workshops und Werkstattkursen. Was für Klassen jetzt schon wieder werden sich einige fragen?

 

Der Studiengang "Visuelle Kommunikation" ist erstmal nur ein Oberbegriff, unter welchem viele spezialisierte Klassen subsumiert werden, die da wären: Film und bewegtes Bild, Film und Fernsehen, Fotografie, Illustration/Comic, Neue Medien, Redaktionelles Gestalten und die Trickfilmklasse. Und in alle diese Klassen schnuppert man in den ersten beiden Semestern rein, um sich am Ende des zweiten Semesters für eine davon zu entscheiden - mit anschließender Zwischenprüfung. Hier muss der Student bzw. die Studentin den Professoren (einer von ihnen ist ein Professor der Klasse, in der man sein Studium fortsetzen will) seine Werke aus allen Workshops und Werkstattkursen vorstellen und sich praktisch einer kleinen zweiten Aufnahmeprüfung stellen - denn im schlimmsten Fall kann man tatsächlich sogar noch fliegen (wenn auch nicht sehr wahrscheinlich).

 

Wie soll man sich das Studium vorstellen? In erster Linie muss man sich von der Vorstellung eines klassischen Studienganges verabschieden. Ich war tatsächlich etwas irritiert, als ich mein Studium hier begann. Ich studierte bereits vier Semster lang Jura in Göttingen und selbst mit dem Wissen, es würde anders hier in Kassel sein, war es dann nochmal völlig anders.

Ist es normalerweise so geregelt, dass eine Vorlesung pünktlich 15 Minuten nach dem ausgeschriebenen Termin beginnt (das akademische Viertel), sind es in der Kunsthochschule gerne mal +/- 30 Minuten, in denen man sich auch gerne mit dem Professor bei einer Zigarette draußen im Hof austauscht, ein Buch liest, oder einfach nur auf dem Sofa existiert, bis der Unterricht beginnt. Die Workshops selbst (das Gegenstück zu den Vorlesungen) sind relativ schulisch gehalten, auch bedingt durch die vergleichsweise geringe Anzahl der Studenten in einer Klasse (wir sind knapp 40). Also alles in allem: Uni mit Schulklassencharme. Mir gefällts, ich fühle mich wohl.

Der eigentliche Rückblick auf das erste Semester

Im Rahmen dieser Blogpostreihe möchte ich ein paar Auszüge aus ausgewählten Workshops vorstellen, die mir persönlich auch am meisten Spaß gemacht haben in diesem Semster. Freilich ist viel entstanden, deswegen rechne ich mit circa vier Blogposts. Fangen wir aber an.

1. Illustration und Comic - Eine Neuillustration von Marshal McLuhans "Das Medium ist die Massage"
Unter der Leitung unseres Professors Hendrik Dorgathen sollten wir uns Gedanken machen, wie man die Illustrationen der akutellen Auflage "Das Medium ist die Massage" von Marshall MacLuhan (der Titel dieses Buches ist auch Hauptthema unserer zwei Semester Basisklasse), welche noch original aus den 60er der Erstauflage stammen, durch neue, moderne, aus unserer Feder stammende Werke ersetzen könnte.
Hierbei sind wirklich bemerkenswerte Werke enstanden, die ich im Anschluss auch nochmal verlinken werde - sehr sehenswert!
Meine Gruppe und ich teilten die ersten 6 Kapitel des Buches untereinander auf und einigten uns grob erstmal auf einen Stil. Meine Kapitel waren: "Your Job" und "Your Goverment". Bedingt dadurch, dass ich vergessen habe meine Scans von der "Your Goverment" Doppelseite hochzuladen für den Monat, den ich gerade in Malaysia verbringe (ja ich bin gerade bei 30° draußen im Leinenhemd und schreibe diesen Artikel, ergo Sexualität), muss ich es bei einer Vorstellung von "Your Job" belassen. Lässt sich leider nicht ändern.

 

"Come into my parlour." said the computer to the specialist - Das ist der Leitsatz dieses Artikels und beschreibt, aus der Sicht von MacLuhan, wie die mechanisierte, spezialisierte Art und Weise zu arbeiten, die die Menschen sich die letzten Jahrhunderte aneigneten, obsolete werden durch die immer steigende Leistungsfähigkeit der Computer, welcher immer mehr Tätigkeiten in der Arbeitswelt übernimmt und viele Spezialisten eines Faches von der Bildfläche verdrängt. Aus dem Blickwinkel, den MacLuhan auf dieses Phänomen hatte (die 60er Jahre), sprach er über Dinge, wie z.B. diverese mechanische Maschinen (denn sowas wie ein PC war damals noch Zukunftsfantasie). Wie steht es um diese Voraussagung aber heute? Ich dachte darüber nach und mir fiel Googles "Deep Dream" Algarithmus ein, welcher in der Lage ist, anhand einer komplizierten künstlichen Intelligenz zu "fantasieren". Tatsächlich ist es fast schon unheimlich, wenn man sich mehr mit "Deep Dream" befasst.

 

Man speißt ein Bild in den Algorithmus und dieser fängt an sich Punkte aus dem Bild zu picken, welche ihm bekannt vorkommen anhand der Erinnerungen, die er daran hat. Die "Erinnerungen", die fest in den Algorithmus eingespeichert sind (wie ein Gehirn) entstehen durch in der Vergangenheit eingespeiste Bilder. Füttert man den Algorithmus beispielsweise mit einem Porträt, beginnt dieser, die Stellen, wie Augen, Mund und Nase (die ihm bekannt vorkommen) mit seinen eigenen Assoziationen zu füllen und zu verändern. Es ist schwer zu erklären, deswegen zeige ich euch das Porträt von Marshall MacLuhan, dass ich in Deep Dreams einspeißte.

 

Aber warum tat ich das? Weil sich wohl in Zukunft abzeichnen wird, dass der Computer nicht nur Naturwissenschaftliche Aufgaben übernehmen wird, sondern auch Kunst. Kunst aus den Schaltkreisen eines Computers - Etwas, was ich als faszinierend und gleichzeitig auch beängstigend empfand. Was Deep Dream geschaffen hat, ist ein nicht vorausberechneter Stil, ein künstlerischer Ansatz, in Form einer eigenartigen Bildsprache. Werden elektronische Schaltkreise in Zukunft Kompositionen und ganze Werke, wie Filme, Musik und Gemälde, völlig eigenständig kreieren und den Mensch als Künstler irgendwann ablösen? Das der Mensch ihn wiederum für sich Nutzen kann, zeigt sich in den folgenden, verlinkten Machwerken, bei denen findige Köpfe ausgewählte Szenen aus "2001 - A Space Odysse" und "Fear and Loathing in Las Vegas" durch den Deep Dream Algorythmus, neu interpretieren ließen - und es ist wirklich grandios.
Wo das in Zukunft hinführen wird, bleibt offen. Ein elektronischer Regisseur, Storyboardzeichner, oder Concept-Artist? Wer weiß.

Deshalb meine Neuillustrierung dieses sehr interesannten Kapitels mit dem leicht abgeänderten Zitat: "Come into my parlour, artist." - The Computer.

Hier ein paar Auszüge aus den Arbeiten meiner Studienkollegen (sehr sehenswert!)
1. Eine Videographische Neuillustration von Casper und seiner Gruppe
2. Ein Online-Zine von Stefka und ihrer Gruppe
3. Und wie ich gerade doch noch bemerkt habe, eine Online-PDF Version des Heftes meiner Gruppe (Ohje, ich wusste nicht, dass unser Projekt online ist. Schaut euch aber die tollen Werke meiner Gruppenkollegen an).

Ich denke das waren genug Worte für einen Blogartikel - Wer sich den Teil "Your Goverment" noch anschauen will, kann das in der PDF tun. Ich habe ihn sogar interaktiv gestaltet. Ihr braucht nur einen QR-Code Scanner!

Somit verabschiede ich mich bei euch und kündige Teil 2 meines Semesterrückblicks an und hoffe ihr seid dann auch wieder dabei.
Hier werde ich euch unseren Radierungskurs, Paint Aktzeichnen und vieles mehr (nein ok, vielleicht noch eine Sache) vorstellen!

Hier geht es zum vorigen Beitrag - Der erste Beitrag - Mein Einstieg in das Filmstudium

 

Liebe Grüße aus Malaysia,
euer Harry Besel

Kommentare  

#3 Harry 2016-03-22 10:49
zitiere Shida:
Hallo Harry,

Du kennst mich bestimmt nicht. Ich bin VisKomm Absolventin seit 2010.
Ich finde, dass was Du gemacht hast sehr professionell. Meiner Erfahrung nach bist Du der Erste, der so eine Idee imstande gebracht hat.
Vielen Dank und bitte weiter so. :)


Vielen Dank liebe Shida, ich weiß das wirklich zu schätzen und werde mir weiterhin größte Mühe geben. Liebe Grüße :)
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#2 Shida 2016-03-12 17:45
Hallo Harry,

Du kennst mich bestimmt nicht. Ich bin VisKomm Absolventin seit 2010.
Ich finde, dass was Du gemacht hast sehr professionell. Meiner Erfahrung nach bist Du der Erste, der so eine Idee imstande gebracht hat.
Vielen Dank und bitte weiter so. :)
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#1 Kim 2016-03-12 15:16
Super, cooler und informativer Beitrag. Macht Lust auf den Studiengang :D :)
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