Da ihr nun grob wisst, wie man sich das Studium an der Kunsthochschule vorzustellen hat, (weil ihr euch natürlich schon Teil 1 meines Semesterrückblicks durchgelesen habt) kann es auch gleich weitergehen mit Teil 2 meines kleinen Semesterrückblicks.

Anfangen möchte ich mit unserem Werkstattkurs.

 



1. Werkstattkurs - Radierung
Wie ich in Teil 1 meines Semesterrückblicks bereits erklärte, muss man als Voraussetzung für die Zwischenprüfung einen Werkstattkursbelegen. Zur Auswahl standen uns drei verschiedene Kurse: Siebdruck, Lithografie (was dann zum Kurs für Radierung wurde, weil nicht genug Platz im Lithoraum war für alle Teilnehmer) und zu letzt noch ein Arduinokurs. (Arduinos sind kleine programierbare Computer, mit denen man viele technische Spielereien und Lösungen entwickeln kann). Also eher etwas für die Technikaffinen unter den Studenten

 

Durch die große Zahl an Studenten in unserer Klasse (Im Vergleich zu den vorherigen VisKom Klassen, denn wir sind die erste Klasse mit ca. 40, anstatt ca. 20 Studenten), wurden die Teilnehmer für die einzelnen Kurse per Losverfahren entschieden. Ja, ich bin ehrlich, ich wollte eigentlich in den Siebdruckkurs aufgrund der Tatsache, dass man dieses Wissen eher noch in den Alltag mitnehmen kann, für zum Beispiel T-Shirt Drucke. Ich bin aber nicht reingekommen.
Mein nächster Wunsch war der Radierungskurs und auch da bin ich erstmal nicht reingekommen. So blieb mir nur der Arduinokurs und der intensive Wunsch, man möge mir doch bitte gleich das Gehirn entfernen für die kommende Woche (Ich gewinne übrigens auch ungefähr niemals in meinem ganzen Leben auch nur einen Cent im Casino). Doch wie es der Zufall so wollte, ist eine Woche später doch noch ein Platz im Radierungskurs freigeworden - das Leben streckt einem doch nicht immer den Mittelfinger entgegen.

 

Das zur Vorgeschichte. Die Radierung funktioniert, kurz und knapp erklärt, folgendermaßen: Man nehme eine Metallplatte in der gewünschten Größe, denn diese bestimmt das Format und die Größe des darauf zu kratzenden Bildes. Diese Platte wird nochmal gründlich poliert und anschließend mit Terpentin rückstandslos gereinigt. Dann trägt man Farbe auf, welche die gesamte Fläche der Platte lückenlos bedecken muss. Man lässt die Farbe trocknen, nimmt sich einen Metallkratzer und fängt nun an, auf der eingefärbten Fläche die Farbe abzutragen. Hat man das getan, muss die Platte in ein Säurebad getaucht werden - Die freien Stellen (welche man weggekratzt hat) werden nun von der Säure angegriffen und angeraut.

 

Nun nimmt man die Platte wieder aus dem Säurebad (je länger sie in der Säure verätzt, desto schwärzer werden die Striche des fertigen Bildes) und reinigt sie unter Wasser, um dann anschließend wieder mit Terpentin die gesamte Platte rückstandsfrei zu putzen. Daraufhin kommt die Farbe ins Spiel: Man pinselt die Metallplatte nun mit schwarzer Farbe ein und muss nun mit einem Lappen die Farbe wieder abrubbeln und sieht: Die Farbe haftet nur in den Linien, die man zuvor hinein gekratzt hat. Nun wird die Platte zusammen mit einem speziellem Papier obendrauf in die Presse gegeben und schon ist man fertig: Auf dem Papier ist nun das zuvor in die Metallplatte gekratzte Werk zu bestauen - Spiegelverkehrt.

 

Die Technik der Radierung ist freilich antiquiert und hat auch eigentlich keinen Vorteil gegenüber einem gut gespitzen Bleistift, oder einem feinen Copicmarker. Aber es war trotzdem sehr interesannt, in etwa so, als ich mich in die analoge Fotografie verguckte vor ca. 2 Jahren - Es hat eigentlich keinen wirklichen Sinn, aber der Aufwand für das Erstellen des Werkes selbst bereitet schon den Spaß. Sich an die Ursprünge der Dinge heranzuwagen, weckt in mir immer meinen Entdeckergeist und stillt meine, in gewisser Art und Weise, animalischen Triebe etwas mit eigenen Händen zu schaffen und das "Dahinter" zu verstehen.

 

Ihr merkt schon, dass die Radierung sehr zeitintensiv ist und im Endeffekt hat man halt ein Bild auf Papier. Nichts per se besonderes, aber mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht. Es ist eine gewisse Spannung dabei, wenn jeder Handgriff sitzen muss und das Ergebnis erst zum Schluss begutachten werden kann. Ich habe immer zwei mal überlegt was ich als nächstes für einen Strich setze, oder wo ich anfange zu schraffieren.
Was Radierungen dann doch ausmachen ist dieser "antike", oder "mittelalterliche" Look, den sie ihrer etwas groben Strichsetzung durch das Metallkratzen verdanken. Ich ließ mich aus Werken dieser Epochen inspirieren und stieß so ich auf die antiken, griechischen Sonnenuhren und orientierte mich grob an ihrem Design.

 



Meine "Sonnenuhr" soll die Zeit als einen flachen Kreis ausdrücken, ganz nach Nietzsches Prinzip der ewigen Wiederkehr, oder (ihr werdet es schon ahnen) nach Rustin Cole aus der ersten Staffel "True Detective" (unbedingt schauen, wenn nicht schon geschehen!). Warum meine Uhr spiegelverkehrt ist, werden sich einige fragen? Weil ich vergessen habe, dass das Bild aus der Presse spiegelverkehrt abgebildet wird (habe also richtig herum auf der Platte gekratzt). Aber irgendwie passt es auch zu dem Thema und deswegen finde ich es garnicht weiter schlimm.

2. Neue Medien Workshop - Paint Aktzeichnen
Das war wirklich etwas besonderes. Der Workshop der "Neue Medien" Klasse war wieder in viele kleinere Workshops aufgeteilt. zum Beispiel gab es den Tamagotchi Workshop, in dem wir unser eigenes Tamagotchi-Spiel programmiert haben, den Unity Workshop, bei dem wir eine Einführung in die Freeware Spielengine gleichen Titels erhalten haben (stelle ich in Teil 3 meines Semesterrückblicks vor)  und natürlich den namensgebenden Paint Aktzeichnen Workshop.

 


Erst haben wir uns im Macraum getroffen und die Tische in eine O-Formation gestellt, mit je einem Mac pro Tisch. Nun kam ein netter, hilfsbereiter Mann in die Mitte unserer Tischformation, entkleidete sich und stellte sich in Pose - also eine ganz klassische Aktzeichenstunde. Nur unser Werkzeug war unkonventionell: Wir durften ausschließlich das klassische Windows 98 Paintprogramm nutzen für unsere Aktzeichnungen.
Ebenfalls waren Grafiktabletts tabu, gestattet war nur die Maus. Und so ging es ans Zeichnen: Angefangen habe ich erstmal konventionell mit eher naturralistischen Ansätzen, was jedoch schnell langweilte.

 

Ein Blick in die Werkzeugleiste ließ mich mein aus Kindheitstagen geliebtes Spraydosen-Werkzeug in Erinnerung rufen, mit dem ich früher so gerne das Blut für meine Strichmännchen-Massaker-Comics aus der 6. Klasse malte. Schon wurden die Zeichnungen und vor allem die Technik interesannter, als es nicht mehr darum ging jeden einzelnen Strich korrekt zu setzen, sondern sich die Konturen des Gesichts aus dem Nebel meiner wild über den Bildschirm schwirrenden Spraydose auftaten.

 

Alles in allem ein wirklich erfrischender Workshop, der ein wenig zum anders an die Dinge herangehen, anregte.


So kommen wir auch schon ans Ende meines Semesterrückblicks Teil 2. Ich wollte eigentlich noch ein weiteres Projekt hier vorstellen, aber das hätte den Rahmen eines Blogposts gesprengt.
Auch möchte ich schon jetzt ankündigen, dass mein nächster Beitrag sich mit meinem aktuellen Filmprojekt befassen wird, Teil 3 des Semesterrückblicks also einmal aussetzen muss. Es gibt viel zu berichten und zu zeigen von MANNEQUIN, so der Titel meines laufenden Kurzfilmprojekts.

Hier geht es zum vorigen Beitrag - Das erste Semester Kunsthochschule Kassel - Teil 1

Also machts gut und liebe Grüße aus Koh Lanta, Thailand!

 



Euer Harry @ HxB - Bewegtbild Produktion

Kommentare  

#1 Kim 2016-03-31 22:38
Ich mag das Ergebnis der Radierung total! Wirklich absolut gelungen :)
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