Nachdem ich euch HIER von den Anfängen meines aktuellen Horrorkurzfilmprojektes berichtete, geht es in Teil 2 nun darum, wie die Grundpfeiler dieses Filmprojekts zustande gekommen sind: Das Drehbuch, das Storyboard und die passende Crew.

Das sind die drei wichtigsten Dinge, um ein Filmprojekt geordnet über die Bühne zu bringen. Erst wenn Drehbuch, Storyboard und das Team stehen, kann man sich um die Feinheiten kümmern. Ich fange immer mit dem Drehbuch an, da ich mein Storyboard mithilfe des Storyboards ausarbeite.

Das Hauptproblem beim Schreiben des Drehbuchs war es ein Motiv zu finden. Das heißt: Warum passiert, was passiert? Es ging darum meine Filmidee in eine Geschichte einzubetten. Diesen Unterschied sollte man sich wirklich dringend vergegenwärtigen. Ein Beispiel: Ich bekomme die Idee, einen Film über eine antimoralistisch eingestellte Person zu machen (habe ich tatsächlich nebenbei). Das für sich ist aber kein Geschichte. Wir erinnern uns: Eine Geschichte ist, worin ich diese Idee einbette. Also: Was treibt diese Person an und wie wirkt sich ihre antimoralistische Einstellung in ihrer Entscheidungsfindung aus? Was wäre ein glaubwürdiges "Ziel" für diese spezielle Person, also was möchte sie erreichen? Und vieles mehr. Das ist dann eine Geschichte. Ich betone es, weil es tatsächlich oft nicht verstanden wird. "Lass uns einen geilen Film mit XYZ machen.", durfte ich mir schon zu oft anhören. Und weiter? Was soll da passieren? Stille. Das zum Verständnis.



Die Idee meines Filmes ist eine unheimliche Begegnung, mit einer sich im dunkeln anschleichenden, irgendwie lebendigen Schaufensterpuppe. Warum findet diese Begegnung statt? Mir fiel ganz zu anfang nichts besseres ein, als die Hauptrolle, als überarbeitenden Ehemann zu portraitieren, dessen Frau ihn auf dem Weg nach Hause von der Arbeit nochmal zum Wein kaufen schickt, woraufhin dieser sich eine Auszeit nimmt und vorher noch eine Zigarette an einem ruhigen Plätzchen raucht und dort dann auf Mannequin trifft. Absolut unbefriedigend. Ich wurde nicht warm mit dieser Einleitung ins Geschehen. Viele Nächte konnte ich nicht schlafen, weil ich versuchte die Handlung zu verfeinern, bis mir die Idee kam: Chronische Schlaflosigkeit. Aus meinem eigenen Unvermögen heraus einzuschlafen, sah ich plötzlich ein perfektes, verstörendes Grundmotiv. Schlaflosigkeit quält und kann in Extremfällen zu Psychosen, Wahnsinn und Halluzinationen führen. Hervorgerufen wird sie oft durch verdrängte Ereignisse in der Vergangenheit. Ich sprang um halb 4 nachts aus dem Bett und schrieb mir schnell eine Notiz für den nächsten morgen, woraufhin ich schlief wie ein Kind.



Weitere 4 Drehbuchversionen später, war ich zufrieden, hatte die Endversion der Handlung ausgearbeitet und konnte mich endlich voll konzentriert an das Storyboard setzen. Hierfür habe ich mir extra eine Vorlage runtergeladen, weil ich ein ordentliches Storyboard am Drehort selber schätze und so weniger Gefahr laufe, etwas nicht lesen zu können, oder die Reihenfolge zu vertauschen. Es gibt viele Vorlagen zum runderladen unter der Google Bildersuche. Einfach nach "Storyboard Vorlage" oder "Storyboard template" suchen. Ich saß circa 3 Wochen an der gesamten Ausarbeitung. Erfahrungsgemäß ist es ratsam für die erste Version des Storyboards mit einem Bleistift zu arbeiten - es wird noch viel daran geändert. Für die finale Version sollte man die angefertigten Storyboardzeichnungen aber nachziehen, damit sie klar erkennbar sind in allen Lichtsituationen. Außerdem sieht es auch professioneller und ordentlicher aus. Für die Reinversion des Storyboards benutze ich G2 Gelstifte von Pilot Pen. Sie haben sich für mich einfach aus dem Grund bewährt, da sie nicht teuer sind, sie in etlichen Farbvariationen erhältlich sind und sie vor allem einfach so richtig schön übers Papier gleiten. Ihr kennt doch dieses Gefühl mit einem teueren, über das Papier schwebenden Kuli zu schreiben. So entspannt lässt es sich auch mit den Gelstiften arbeiten. Man muss das angenehmste Schreibwerkzeug für sich finden. Ich schreibe das, weil es wichtig ist, sich auch über die Kleinigkeiten mal aktiv Gedanken zu machen. Nur so kann man sich irgendwann einmal den ultimativen Arbeitsfluss kreieren - eine schöne Vorstellung finde ich.



Bevor ich mit dem Storyboard anfange bei einem Projekt, werfe ich immer ein Blick in mein "Filmtechnik-/einstellungen" Notizbuch - ein von mir angefangenes Sammelsurium von allen besonderen Filmtechniken und Filmeinstellungen, die ich entweder aus Filmen aufgeschnappt habe, weil sie mich so fasziniert haben, oder, die ich selber entwickelt habe (bewusst, oder durch Zufall) im Laufe meiner eigenen Filmprojekte. Hier vergegenwärtige ich mir nochmal viele Techniken, die womöglich mit meinem aktuellen Projekt super harmonieren würden. Dieses Notizbuch hat sich als wunderbare Inspirationsquelle bewiesen. Ich kann jedem nur wärmstens empfehlen, auch so ein Notizbuch anzulegen - keine Idee geht mehr verloren.


Am Set selber brauche ich mir nur noch die einzelnen Szenen auf dem Storyboard anzusehen und weißt sofort über folgende Dinge bescheid: Welches Objektiv, welches Stativ, welche Kameraeinstellung, welche Handlung. Was die Drehreihenfolge angeht, hat sich bei mir folgende Arbeitsweise als effektiv erwiesen: Die Szenenreihenfolge im Storyboard entspricht zum größten Teil der korrekten Chronologie im eigentlichen, fertigen Film. Oft macht das aber beim Drehen selber keinen Sinn, weshalb ich, nachdem ich das Storyboard fertig habe, noch eine Liste mit der sinnvollsten Drehreihenfolge anfertige. Diese lässt sich super mithilfe des Storyboard realisieren. In diesem Fall habe ich einfach geschaut, welche Szenen sich von der Position der Puppe und der Kameraeinstellung am ehesten ähnelten, damit man keine Zeit damit verschwendet, ständig Mannequin und das Lichtset umzustellen. Auch eine solche Drehliste für das Set empfehle ich euch auf jeden Fall! Es spart Zeit und Nerven.
Noch ein kleiner, aber wichtiger Tipp: Wenn ihr draußen dreht, dann nehm euch wirklich die Zeit und laminiert die einzelnen Storyboardseiten. Es war wirklich nervig, als wir im Regen drehten und mein Storyboard sich langsam in seine Einzelteile zersetzte. Laminieren ist Gold, isso.



Das Team

Ab diesem Zeipunkt stand also das Drehbuch, das Storyboard und mein fester Wille das Ding durchzuziehen fest. Fehlte nurnoch ein Team. Ich stelle euch nun mein erstklassiges Team vor und berichte gleichzeitig von unserer Zusammenkunft. Vorweg: Es ist ein wirklich hervoragendes Team zustande gekommen, ohne das ich wohl kaum hätte so gut arbeiten können. Da wären:

Andreas Pape


Andreas ist der Hauptdarsteller meines Streifens und spielt den, unter Schlaflosigkeit leidenden, Garry. Er hat bereits lange Erfahrung im Schaupspielgeschäft und spielte in Kinoproduktionen wie "German Angst", "Goldene Zeiten" und auch in namhaften Serien wie "Tatort" mit. Kennengelernt habe ich ihn durch meine Freundin Kim, welche damals auch noch als Fotografin tätig war und einen Fototermin mit Andreas hatte. Sie meinte, er würde auch schauspielern und schlug mir vor, dass ich mitkommen solle. Ich nutze die Gelegenheit und ich kam mit Andreas ins Gespräch, woraufhin wir uns gleich sympathisch waren und in Kontakt bleiben wollten. Lange danach (vorher hat sich nichts ergeben) dachte ich an Andreas und schickte ihm mein Drehbuch. Er fand es interesannt und sah seine Rolle als psychotischen Schlaflosen, mit verdrängten Erinnerung, wohl als eine interesannte, schauspielerische Herausforderung, welcher er sich gerne stellen würde. Der Dreh ist durch und mein Fazit ist: Eine klasse Leistung und eine super Zusammenarbeit. Am Set lieferte Andreas viele interesannte, spontane Ideen für die Ausübung seiner Rolle und bescherte mir so viele schöne, improvisierte Momente und klasse Szenen für den Schnitt. Immer wieder gerne Andreas!

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Bob Linsel

Bob ist mein Filmerkollege aus Göttingen, mit dem ich mittlerweile seit über einem Jahr eng zusammenarbeite. Er produziert selber unter seinem Label "Mercer Film" Image- und Musikvideos und ist mein Hauptverantwortlicher in Sachen Technik, Licht und "Hilf mir, hier ist was kaputt, ich will sterben"-Situationen. Ob es darum geht, aus einem Haufen alter Kabel eine funktionierende Verkabelung für einen selbstgebastelten LED-Strahler zusammenzuflicken, oder mir einfach den Stress des Aufbaus zu nehmen, damit ich mich mit dem Schauspieler befassen kann - Bob macht seine Sache unerbittlich und exzellent gut. Wer sich auf seine Teammitglieder verlassen will am Set, braucht Leute wie Bob - Ein Fels in der Brandung, eines immer wieder mit Problemen behafteten Filmsets. Kennengelernt habe ich ihn zufällig beim Dreh der Musikvideos für den kasseler Musiker "Charon", wo er Teil des Teams war. Man war sich auf Anhieb sympathisch und hat dafür gesorgt, dass die Pläne, die man damals austauschte, nicht leere Worte blieben, sondern Taten folgten. Auf viele weitere Projekte, mein Freund!

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Áron Farkas


Áron habe ich durch mein Studium an der Kunsthochschule Kassel kennengelernt. Er ist ein wunderbar kreativer Zeichner und Zeichentrickkünstler und teilt mit mir die gleiche morbide Faszination für Horror und das Grauen. Àron übernahm die Aufgabe des Requisitenbauers (er hat Mannequin in etlichen Nachtschichten in der Kunstuni gebaut) und war tragendes Element im Setaufbau und allgemeiner Koordination der Abläufe am Set. Über den Bau der Puppe werde ich auch noch getrennt berichten in einem zukünftigen Post. Er erhielt den Spitznamen "Hulk" am Set, da er ohne eine Miene zu zücken, oder ein genervtes Wort von sich zu lassen, bei Schnee und Regen bis 4 Uhr in der Nacht getragen, geschraubt und gepackt hat. Als ich ihm von meinem Projekt erzählte, war er sofort davon angetan mir die Puppe für den Film zu bauen, wofür ich ihm unendlich dankbar bin. Diese Aufgabe selbst zu übernehmen, hätte meinen Rahmen gesprengt, das Projekt auf die Beine zu stellen und zu organisieren. Auch mit Àron "Die Maschine" werde ich sicherlich noch viele Projekte verwirklichen und freue mich riesig darauf!

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Julia Gens


Julia war für das Make-Up verwortlich. Make-Up ist unverzichtbar, um eine glaubwürdige Atmosphäre in einem Film zu schaffen. Das heißt auch, dass Julia eine große Verantwortung zukam. Sie hat ihren Job aber absolut souverän und professionell gemeistert. Ihr Make-Up für Andreas war auf den Punkt getroffen - Die Figur wirkt absolut übermüdet und eingefallen, ohne dabei theatralisch, künstlich und dadurch unglaubwürdig zu erscheinen. Auf sie bin ich gestoßen, als ich im Klassenplenum der "Film & bewegtes Bild" Klasse mein Projekt vorstellte, auf der Suche nach zuverlässigen und begabten Helfern und Helferinnen. Julia hat mir ihr Interesse als Visagistin bekundet und Arbeitsproben geschickt, die mich vollends überzeugten. Abschließend lässt sich sagen, dass ich begeistert bin von ihrem Durchhaltevermögen am Set. Es war absolut unkompliziert mit ihr zu arbeiten und sie konnte auch lange einfach mal nur Beobachterin sein, wenn ihre Künste gerade mal nicht gebraucht wurden. Interesse an weiteren Zusammenarbeiten wurde bereits bekundet - auf schöne zukünftige Projekte!

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Noddy Werner


Noddy habe ich ebenfalls durch meine Projektvorstellung im "Film & bewegtes Bild" Klassenplenum kennengelernt. Sie war die Tonmeisterin und hat ihre Aufgabe super gemacht. Ihre Erfahrung als Tonfrau und allgemein am Filmset, hat man ihr sofort angemerkt. Ihre selbstständige Art zu arbeiten, hat mich zusätzlich entlastet, da ich mich um eine Aufgabe weniger kümmern durfte. Sie ist eine sehr offene und erheiternde Persönlichkeit, die mir in so manchen Situationen durch ihre lockeren Sprüche, die Anspannung nehmen konnte, welche mich zweifelsohne hin und wieder übermannte (Vor allem am ersten Drehtag, als neben Regen, auch noch der Schnee vom Himmel fiel). Ich hoffe ich kann mich an deinem zukünftigen Projekt revanchieren!

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Kim Ahrens


Kim war meine Sethelferin vor Ort. Sie hat ein Auto zur Verfügung gestellt und ist losgefahren, wenn Hunger am Set aufkam, wodurch wir unsere Arbeit nie unterbrechen mussten. Bereits in der Planungsphase hat sie mir durch Organisationsaufgaben geholfen, mich auf, das für mich, wesentliche zu konzentrieren. Am Set selber war sie auch Fotografin und FIlmerin für das "Hinter den Kulissen" Material. All diese wirklich schönen Fotos sind aus ihrer Hand entstanden. Auch Abseits vom Set hat Kim eine wichtige Aufgabe übernommen - Sie war meine emotionale Stütze, wenn mir die Probleme bei der Planung, aber auch am Set manchmal drohten den Verstand zu rauben. An dieser Stelle vielen Dank, dass du da bist und mich manchmal erträgst, wenn es mit mir durchgeht. Danke.

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Ab hieran stand meine Crew fest. Jetzt brauchte ich nurnoch meinen Antagonisten - MANNEQUIN. Und wie er, zusammen mit anderen kleinen Requisiten entstanden ist, erfahrt ihr in meinem nächsten Teil der "Hinter den Kulissen" Reihe zu MANNEQUIN.
Ich hoffe euch hat auch dieser Teil gefallen und ihr seid beim nächsten mal wieder mit dabei!

Hier geht es zum vorigen Artikel: Hinter den Kulissen - MANNEQUIN | Ein Horrorkurzfilm ensteht

LG
Harry @ HxB - Bewegtbild Produktion

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